Dortmund: Reinoldikirchplatz | Die erfolgreichste Vorsorgeaktion gegen
Darmkrebs in Deutschland macht am Wochenende 4./5. September wieder
Station in Dortmund. An beiden Tagen kann man sich in dem begehbaren 20 m
langen Darmmodell der Felix-Burda-Stiftung auf dem Reinoldikirchplatz
über Vorsorgemöglichkeiten informieren. Bürgermeisterin Birgit Jörder
hat die Schirmherrschaft übernommen und Ärzte des St. Johannes Hospitals
beraten am Samstag Besucher ganz individuell.
Darmkrebs ist in
Deutschland nach dem geschlechtsspezifischen Brust- und Prostatakrebs
die dritthäufigste Krebserkrankung. Das Robert-Koch-Institut geht davon
aus, dass im letzten Jahr 35.500 Männer und 28.400 Frauen neu an
Darmkrebs erkrankt sind. Im Jahr 2013 waren bundesweit 13.489 Männer und
12.510 Frauen an einem Darmtumor verstorben.
Die AOK NordWest
unterstützt die Aktion und ist vor Ort präsent. Die Krankenkasse rät
Menschen ab 55, sich aktiv um Vorsorge zu kümmern: „Lassen Sie sich
hierzu nochmals in allen Einzelheiten von Ihrem Arzt beraten. Wichtig
ist nur, dass Sie überhaupt die Chance ergreifen, Darmkrebs früh
erkennen oder erst gar nicht entstehen zu lassen.“
Tatsächlich
ist die Früherkennung immens wichtig: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt,
das gilt bei kaum einer Krebsart so wie beim Darmkrebs, der sehr gut zu
behandeln ist, wenn er rechtzeitig entdeckt wird.
Hauptsponsor
der Aktion in Dortmund ist das Unternehmen ScheBo Biotech AG, das mit
dem Test „M2 PK“ Hightech-Biotechnologie bei der Darmkrebsvorsorge
einsetzt. Der Test entdeckt nach einer aktuellen Studie zu 92,8 % den
Darmkrebs und sogar 69,4 % der Polypen.
Als Goldstandard der
Darmkrebsvorsorge gilt nach wie vor die Koloskopie (Darmspiegelung), die
AOK und andere gesetzliche Krankenkassen ab dem 55. Lebensjahr
bezahlen. Darüber informieren die Ärzte des St. Johannes Hospitals vor
Ort.
Das begehbare Darmmodell ist am 4. und 5. September von 09
bis 18 Uhr geöffnet. Die Darmkrebsvorsorgeaktion der osicom GmbH,
Düsseldorf, wird weiterhin unterstützt durch die PSD Bank Rhein-Ruhr und
die Unternehmen Klüh Service Management, ERGO und DEW 21
Presseschau: Für Sie gelesen:
KrebsforschungDarmtumore aus der Petrischale
Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in Europa, etwa die Hälfte der Patienten stirbt daran. Wie hoch die Überlebenschancen im Einzelfall sind, hängt davon ab, ob der Tumor rechtzeitig entdeckt wird und ob schnell die passende Therapie eingeleitet wird. Um schneller zu wissen, was dem Patienten hilft, haben Forscher aus Utrecht nun Darmtumore gezüchtet.
- Ein begehbares Darm-Modell in einem Krankenhaus in Gera: Um Darmkrebs besser therapieren zu können, züchten Forscher künstliche Tumore. (picture alliance / dpa / Bodo Schackow)
Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in Europa, etwa die Hälfte der Patienten stirbt daran. Wie hoch die Überlebenschancen im Einzelfall sind, hängt davon ab, ob der Tumor rechtzeitig entdeckt wird und ob schnell die passende Therapie eingeleitet wird. Um schneller zu wissen, was dem Patienten hilft, haben Forscher aus Utrecht nun Darmtumore gezüchtet.
- Ein begehbares Darm-Modell in einem Krankenhaus in Gera: Um Darmkrebs besser therapieren zu können, züchten Forscher künstliche Tumore. (picture alliance / dpa / Bodo Schackow)
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"Diese hier stammen von einem Tumor würde ich sagen, sie sind sehr dicht gewachsen, mit dicken Wänden und wenig Hohlraum im Inneren der Organoide. Wenn die Organoide von gesundem Gewebe stammen, gibt es Platz im Inneren, aber diese hier kommen von einem Tumor und wachsen als kompakte Strukturen."
Hans Clevers zeigt auf die kleinen Zellklumpen, die in einer Petrischale unter dem Mikroskop wachsen. Die Organoide sind ein bis zwei Millimeter groß und auch mit dem bloßen Auge gut zu erkennen. Sie sind aus einzelnen Tumorzellen eines Darmkrebs-Patienten entstanden. Hans Clevers und sein Team am Hubrecht Institut in Utrecht haben eine Technik entwickelt, um die Zellen im Labor am Leben zu erhalten. Unter den richtigen Bedingungen wachsen sie immer weiter und bilden so ein Mini-Modell des jeweiligen Tumors. Die Organoide könnten helfen, für jeden Darmkrebs-Patienten die wirksamste Behandlung zu finden.
"Die Schwierigkeit bei der Behandlung von Krebs ist, dass nur jeder dritte Patient wirklich von einem bestimmten Medikament profitiert. Wir konnten nur bisher nicht vorhersagen, welcher Patient das sein wird. Jetzt können wir das zum ersten Mal testen, indem wir Organoide aus dem Tumor eines Patienten züchten und diese dann mit zehn oder hundert oder tausend verschiedenen Wirkstoffen behandeln und beobachten, welche die Tumor-Zellen töten."
Bisher war es nicht möglich, die Wirkung eines Medikaments auf einen einzelnen Tumor im Vorfeld zu testen weil die Zellen nach einer Entnahme schnell absterben. Mit der Methode der Utrechter Wissenschaftler hat sich das geändert.
Zuverlässigere Vorhersagen über die Krankheit
Wichtig für die Zuverlässigkeit des Tests ist außerdem, dass die Tumor-Organoide in Aufbau und Zellzusammensetzung dem Tumor im Körper des jeweiligen Patienten entsprechen und deshalb sehr ähnlich reagieren, wenn sie mit einem Wirkstoff behandelt werden. Hans Clevers weiß, dass auch die direkte Umgebung des Tumors im Körper seine Reaktion auf ein Medikament beeinflusst. Ein Umstand, der in der Forschung oft ignoriert wird.
"Gewebe sind dreidimensional und auch Tumore sind dreidimensional. Sie wachsen nicht flach auf Plastik, sondern haben Kontakt zum Bindegewebe, zu Kollagen und anderen Molekülen. Unsere Technik hat den Vorteil, dass wir die Situation im Körper simulieren, indem wir auch diese anderen Faktoren dazugeben und die Zellen in eine dreidimensionale Struktur wachsen lassen. Wir kommen so den Bedingungen sehr nah, die im Körper herrschen."
Das soll die Vorhersagen noch zuverlässiger machen. Wie zuverlässig testen die Forscher zur Zeit. Sie behandeln die Organoide auf die gleiche Weise, wie der jeweilige Patient in der Klinik behandelt wird und vergleichen anschließend die Ergebnisse. Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler zuerst die Therapie am Organoid testen und dann die Ärzte beraten, welches Medikament dem Patienten am ehesten hilft.
Langfristig sollen solche Vorversuche dann komplett überflüssig werden. Hans Clevers und sein Team untersuchen auch, welche Gen-Veränderungen die Tumorzellen aufweisen. Wenn bekannt ist, welche Mutation einen Tumor sensitiv oder resistent gegenüber einem bestimmten Medikament macht, könnte das die Zuordnung der passenden Therapie noch einfacher machen.
"Wir glauben, dass es eine Art Code gibt. Er wird vermutlich sehr komplex und schwer zu finden sein, aber wenn wir mit unserer Technik genug Organoide getestet haben, können wir einen Tumor hoffentlich auf Basis seiner DNA-Veränderungen einer Gruppe zuordnen und wissen dann, ob er auf ein Medikament reagiert oder nicht. Dann müssten wir keine Organoide mehr wachsen lassen, sondern nur wissen, welche Mutationen ein Tumor aufweist."
Bis die nötige Menge an Daten gesammelt ist, werden die Wissenschaftler noch Tausende Organoide testen müssen. Doch Hans Clevers ist zuversichtlich, dass sie am Ende die Behandlung von Darmkrebspatienten entscheidend verbessern werden.
Quelle: Deutschlandfunk
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"Wir glauben, dass es eine Art Code gibt. Er wird vermutlich sehr komplex und schwer zu finden sein, aber wenn wir mit unserer Technik genug Organoide getestet haben, können wir einen Tumor hoffentlich auf Basis seiner DNA-Veränderungen einer Gruppe zuordnen und wissen dann, ob er auf ein Medikament reagiert oder nicht. Dann müssten wir keine Organoide mehr wachsen lassen, sondern nur wissen, welche Mutationen ein Tumor aufweist."
Bis die nötige Menge an Daten gesammelt ist, werden die Wissenschaftler noch Tausende Organoide testen müssen. Doch Hans Clevers ist zuversichtlich, dass sie am Ende die Behandlung von Darmkrebspatienten entscheidend verbessern werden.